Joan Hernández Pijuan

Obras del 1980 – 2005

Vernissage Donnerstag, den 1. September 2022, 17–20 Uhr

Ausstellung, 2. September – 19. November, 2022

 

 

Kann man die Stille malen? Das Gefühl von Weite? Der katalanische Künstler Joan Hernández Pijuan (1931-2005) hat sich in seinem Lebenswerk eine Aufgabe gestellt, die kaum zu meistern scheint. Das Unmalbare wollte er malen. Und er hat begeisternde Bilder geschaffen: kühn, reduziert und doch voller Poesie.

 

Seine Bilder wirken abstrakt und dennoch hat Joan Hernández Pijuan sich nie als abstrakter Maler gesehen. Er hat sich auch keiner anderen Kunst-Richtung oder -Bewegung zuordnen wollen. „Ich versuche immer so zu malen, als wäre jedes Bild mein erstes“, sagte er einmal über seine Arbeitsweise, die durch einen offenen, unvoreingenommenen Blick geprägt war.

 

Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit war die Landschaft Kataloniens. In Folquer, einem kleinen, bäuerlichen Weiler 150 km westlich von Barcelona, hatte Pijuan ein Atelierhaus. Auf langen Spaziergängen hat er die weite Ebene um Folquer durchstreift. Die Landschaft dort ist karg und eintönig. Für Joan Hernández Pijuan bot sie den idealen Rahmen, um darüber nachzudenken, wie der scheinbar grenzenlose Raum der Landschaft sich auf die begrenzte Fläche eines Bildes übertragen liesse.

 

Joan Hernández Pijuan arbeitete mit verschiedenen Techniken, um die langsamen Entdeckungsreisen des Auges, die er in der Natur unternommen hatte, künstlerisch zu verarbeiten. Seine Bilder entstanden aus mehreren Farbschichten. Seine Palette nahm dabei die Töne der rauen Natur um ihn her auf: Die matten Ockertöne der trockenen Erde und das Siennarot der sonnengetränkten Felsen in der Ferne, das zarte Grün der Vegetation im Frühjahr und das gebrochene Weiss der Hitze. Dick mit dem Spachtel aufgetragen erzeugen die pastosen Farben in einigen Werken beinahe reliefartige, bewegte Oberflächen. Oft sind die obersten Farbschichten auch halbtransparent und lassen tieferliegende Schichten erkennen. Mit diesen Schichten gibt Pijuan wieder, wie er die Landschaft auf seinen Spaziergängen gesehen hat: Die Weite wird zu einer Folge einander überlagernder Bilder. Jeder Schritt erzeugt ein neues Bild. Eine Landschaft bleibt nicht gleich, sie verändert sich. Nicht 
nur im Rhythmus der Schritte des Spaziergängers, sondern auch im Wandel der Jahreszeiten, im steten Werden und Vergehen.

 

In die noch feuchten Farbschichten ritzte Joan Hernández Pijuan mit dem Pinselstiel Linien und Strukturen. Er verband so die Malerei mit der Zeichnung. Mit dieser kühnen Geste setzte er sich souverän über den Paradigmenstreit der Kunstgeschichte hinweg, in dem seit Jahrhunderten darüber debattiert wird, welcher Technik der Spitzenplatz in der Kunst einzuräumen sei: Der Zeichnung oder der Malerei. In seinen frühen Bildern setzte Pijuan die gezeichneten Elemente sehr sparsam ein. Ein häufig verwendetes Motiv sind Bordüren, die wie ein Rahmen am Bildrand entlanglaufen. Pijuan erschuf so eine Art Bild im Bild – oder auch ein Fenster, das den Blick in die Landschaft öffnet. In seinen späteren Bildern liess er sich stärker von der Formensprache der Landschaft anregen. Felder, Dörfer und Olivenhaine abstrahierte er zu Quadraten, Rhomben und Kreisen. Aus diesen Formen fügte er luftig gewebte Muster, die sich über den gesamten Bildraum erstreckten.

 

Neben seinen Gemälden, in denen er Ölmalerei und Ritzzeichnung verband, schuf Joan Hernández Pijuan auch Zeichnungen auf Papier. Pijuan interessierte nicht nur die rasche, entschiedene Arbeit mit dem Kohlestift, sondern auch die unterschiedlichen Eigenschaften, die das Trägermaterial Papier aufweisen kann. Auf Reisen sammelte er Papiere, die er im Atelier mit seinen Eindrücken von Landschaften und Räumen bedeckte. Die Papiere aus aller Welt wurden so Teil seines künstlerischen Kosmos.

 

Joan Hernández Pijuan zählt zu den bedeutendsten katalanischen Künstlern der Gegenwart. Vielfach wurde er für sein Schaffen ausgezeichnet. Seine Werke werden in namhaften Kunsthäusern in aller Welt gezeigt. Dreimal war er zu Gast an der Biennale di Venezia: 1960 und 1970 als Repräsentant Spaniens und 2005 als Gast im Rahmen einer Sonderschau im italienischen Pavillon. Darüber hinaus war er auch in der Lehre tätig, an der Universität Barcelona und an der Escuela Superior de Belles Arts de Sant Jordi in Barcelona, an der er einst selbst studiert hatte.

 

Alice Henkes

 

Biografie

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